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Vorgestellt: Der Regisseur Ronny Jakubaschk

von Angelika Koch, Kultur

Die nächste Schauspielpremiere, die im Staatstheater Cottbus am 23.3.2019 herauskommen wird, ist Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“. Der gebürtige Cottbuser Ronny Jakubaschk, der in der vorigen Spielzeit schon erfolgreich seine Version von Franz Kafkas „Die Verwandlung“ im Staatstheater inszeniert hatte, ist mit der Regie betraut. Vorab stellte Blicklicht ihm einige Fragen.

Was reizt dich an deinem Beruf?
Die Abwechslung, jede meiner Arbeiten bringt einen neuen Gegenstand, zumeist andere Partner, Orte, Räume mit sich, das ist reizvoll, wenn auch nicht unanstrengend.

Was ist für dich politisches Theater?
Theater, das Texte und Themen auf unsere gesellschaftliche Gegenwart hin denkt, liest, in Szene setzt und die richtigen Fragen an sie stellt und nicht einfache Lösungen bereithält.

Was bedeutet für dich Heimat?
Cottbus. Der Ort, an dem ich, ohne ihn selbst ausgesucht zu haben, mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht habe. Je länger und weiter ich mich von ihm entferne, desto stärker spüre ich seine Prägung. Das fühlt sich manchmal gut an.

Wo ist dein Lebensmittelpunkt?
Seit fast 15 Jahren Berlin.

Was interessiert dich an Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“? Immerhin ist das Stück schon über 60 Jahre alt.
Dürrenmatt hat mit seiner Tragikomödie einen modernen Klassiker geschaffen, und er wusste das, wenn er selbst in seinen Anmerkungen zum Stück schreibt, dass jede Zeit und jede Konstellation sich in seiner Parabel nach ihren Bedürfnissen wieder finden wird. 1956 war die politische Grundordnung im westlichen Nachkriegseuropa für ihn weitestgehend abgeschlossen, was das Verhältnis von Recht und Moral betrifft, und so besitzt sein Text für die Gegenwart die gleiche Bedeutung wie zur Entstehungszeit. Die Frage nach den europäischen Werten wie Menschenwürde, Recht und Gerechtigkeit, Menschlichkeit und in welchem Verhältnis sie zu einem guten und sicheren Leben innerhalb und außerhalb der Grenzen Europas stehen, stellt sich ja in unserer Gegenwart unbedingt und dringlich. 

Wie gehst du an Besetzungen heran?
Das Stück lässt sich aus dem Cottbuser Ensemble heraus toll besetzen. Mir war es aber vor allem wichtig, eine Konzentration zu schaffen. Dürrenmatt schreibt ein Personal von über dreißig Figuren mit durchaus wichtigen, aber sehr kleinen, marginalen Aufgaben, so möchte ich nicht arbeiten. Wir arbeiten mit zehn Spielerinnen und Spielern auf der Bühne und schaffen somit weniger ein kaleidoskopisches, sondern ein archetypisches Bild von Güllen.

Was ist für dich die größte Herausforderung an diesem Stück?
Den Humor dieser Tragikomödie zu treffen. Das Genre ist für mich neu und herausfordernd. Wie transportieren wir den provozierenden Inhalt, ohne pädagogisch mit dem Zeigefinger zu drohen und wie unterhaltsam kann die Aufführung sein, ohne dabei albern zu werden?

Welche Stoffe für das Theater interessieren dich momentan besonders?
Ich lese gerade vor allem deutschsprachige Autoren der 1920er und 30er Jahre. Die politische Situation einer in Veränderung geratenden demokratischen Ordnung zugunsten von autoritären, eher nationalistisch als pluralistisch orientierten Strömungen scheint mir erschreckend vergleichbar, also Kafka, Brecht, Fallada, Feuchtwanger, Arnold und Bach.

Was war aus deiner Sicht bis jetzt dein größter Erfolg?
Das objektiv größte Stück, das ich erfolgreich auf eine Bühne gebracht habe, waren Richard Wagners “Die Meistersinger” in Mainz mit mehr als 150 Beteiligten und fast sechs Stunden Aufführungsdauer.

Welche Stücke wirst du als nächstes inszenieren?
Eine Uraufführung von Leon Egler “Die Benennung der Tiere” am Neuen Theater Halle. Danach unter anderem Lessings “Nathan der Weise” und Shakespeares “Was ihr wollt”, aber da sind Orte und Termine noch nicht veröffentlicht.

Welche drei Bücher und welche drei Musikstücke würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Für den nächsten Sommer: Tim Blanning: “Friedrich der Große. König von Preußen”; Wolfgang Engler & Jana Hensel: “Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein.”; William Shakespeare: sämtliche Dramen und Sonette; Max Bruch “Das Lied von der Glocke”; Lady Gaga & Bradley Cooper “Shallow”; Dave Matthews “Come away death”.

Welche ist deine größte Stärke, welche deine Schwäche?
Neugier

Die Fragen stellte Angelika Koch.

Foto: Regisseur Ronny Jakubaschk (rechts) bei einem Videodreh in den Proben zu „Der Besuch der alten Dame“ mit Schauspielerin Susann Thiede und Filmer Jan Isaak Voges © Marlies Kross
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