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Was sind uns unsere Kinder wert?

von Bernardo Cantz, Politik

Kinder sind unsere Zukunft. Das klingt banal, ist es aber nicht. Sie sollen eine gute Bildung genießen, um einmal einen guten Job zu finden. Ihnen sollen schon in den frühen Jahren Werte vermittelt werden. Sie sollen soziale Wesen werden. Verantwortlich sind in erster Linie die Eltern. Es gibt aber auch Institutionen wie die Schulen oder die Kindergärten, die diese Entwicklung fördern sollen - besonders dann, wenn das Elternhaus dies nicht leistet.
Die Kindergärten und -krippen in Brandenburg stecken in der Krise. Der Kita-Träger „Fröbel“ hat sich selbst beim Bildungsministerium angezeigt, weil der gesetzlich vorgeschriebene Personalschlüssel nicht eingehalten werden kann. Ein mutiger Schritt, weil er mitunter die Betriebserlaubnis gefährden kann. Das Problem offen zu benennen ist aber wichtiger: Die rot-rote Landesregierung stellt zu wenig Geld für das Kita-Personal zur Verfügung.
Pro Kind werden 7,5 Stunden Betreuungszeit pro Tag finanziert. Viele Kinder sind aber bis zu zehn Stunden in den Einrichtungen. Weil die Eltern entsprechende Arbeitszeiten haben oder weil das Jugendamt dies wegen einer heiklen Situation in der Familie genehmigt hat. In der Praxis sieht das dann oft so aus, dass eine Erzieherin morgens mehr Kinder betreuen muss als vom Gesetz vorgesehen. Nachmittags bei einer anderen Erzieherin das Gleiche. Nur in den Kernzeiten wird der Personalschlüssel halbwegs eingehalten. Das Problem verschärft sich, wenn eine Erzieherin krank wird. Dann ist es fast unmöglich, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.
Der Beruf des Erziehers ist kein leichter. Die Erwartungen an diesen Berufsstand steigen. Inklusion, Integration von Flüchtlingen, die verschiedensten pädagogischen Konzepte. Alles soll gemeistert werden. Gleichzeitig gibt es zu wenig Personal, weil der gesetzlich vorgeschriebene Schlüssel in der Praxis kaum eingehalten wird. Selbst wenn er eingehalten würde, kämen noch zu viele Kinder auf eine Erzieherin, um die pädagogische Arbeit in entsprechender Qualität leisten zu können. Nicht wenige Erzieher sind mit der Situation überfordert. Laut Statistik weist diese Berufsgruppe eine der höchsten Quote von Burnout-Erkrankungen auf.
Das Kita-System bietet auch für die Eltern eine Menge Probleme. Sind Erzieher erkrankt oder auf Weiterbildung, werden sie gefragt, ob sie nicht ihre Sprösslinge zuhause lassen können. Manchen ist es nicht möglich, ihre Kinder in die Kita zu bringen, weil nicht genügend Plätze vorhanden sind – trotz Rechtsanspruchs. Andere müssen ihr Kind auf eine Warteliste setzen, was die Berufsplanung nicht einfacher macht.
Die Probleme bei den Kindergärten und -krippen sind vielfältig. Das Solidaritätsnetzwerk Cottbus lädt am 25. Juli um 17 Uhr zu einer Veranstaltung in den SandowKahn ein. Dabei soll aus verschiedenen Perspektiven über die Probleme in der Stadt und in Brandenburg gesprochen werden. Es sollen Erfahrungen ausgetauscht und Lösungsansätze diskutiert werden.

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Foto: pixabay.com/ cc0
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