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TheaterBlick: Weiberabend - eine Frau braucht einen Plan

Wenn Frauen planen…

von Michael Apel, Kultur

Das neue Konzept der „Theaternative C“, der kleinen Komödie in Cottbus scheint zu funktionieren. Der Theaterleiter Hauke Tesch überrascht nicht nur mit neuen Veranstaltungsreihen und der Gründung eines Seniorentheaterclubs, sondern auch in der Auswahl der Stücke richtet er sein Augenmerk auf aktuelle Texte, die die Leiden und Luxusprobleme einer im Wohlstand aufgewachsenen Generation, zwischen ihren Erwartungen an das Leben und den Miseren des Alltags, beschreibt.
Mit „Weiberabend - eine Frau braucht einen Plan“ hat er hier einen vorzüglichen Griff getan.
Zwei Frauen, so Ende 30 pflegen ihre jahrelange Freundschaft mit einem regelmäßigen „Weiberabend“. Jeden zweiten Dienstag treffen sie sich zum gemeinsamen Rotwein und zur endlosen Plauderstunde, bei der sie lästern und klagen, sich gegenseitig trösten und eben einfach alles erzählen können, was immer ihnen gerade auf dem Herzen liegt oder über die Leber gelaufen ist. Eine dicke Freundschaft, zwischen die kein Blatt zu passen scheint, obwohl beide von Art, Charakter und beruflicher Entwicklung völlig unterschiedlich sind.
Die eine Managerin, führt ein geordnetes, wohlhabendes und durchgeplantes Leben an der Seite eines Bankers. Die Andere hat offensichtlich ihr Studentenleben immer noch nicht abgelegt, besitzt einen Teeladen, lebt in der Welt der Esoterik und pflegt eine Beziehung mit Jacob, einem Yoga-Lehrer. Irgendwie jedoch scheint es, als sehnen sich beide nach dem Leben der Anderen und man fragt sich, ist dies der Kitt, der ihre Freundschaft zusammenhält?
Doch dann geschieht etwas Unerwartetes. Elena eröffnet Amanda, sterben zu wollen. Nicht etwa ein Selbstmord mit Tabletten oder Gift, oder gar ein Sprung vom Balkon. Nein, sie räumt einfach ihre Wohnung auf und legt sich bequem auf ihren Futon, um dann ganz allmählich durch Meditation vom Leben in den Tod zu geleiten.
War das Stück bisher heiter und freundlich, bekommt die Geschichte nun eine skurrile Wendung die dem Zuschauer zahlreiche komische, aber auch ernsthafte und nachdenkliche Momente beschert. Dabei unternimmt die Handlung kunstvolle Wendungen und bleibt so spannend bis zur letzten Minute.
Die „Theaternative C“ hat mit Julia Graf und Suzanne Kockat zwei hervorragende Interpretinnen, die an keiner Stelle der Inszenierung den Kontakt zur Geschichte oder gar zum Publikum verlieren.
Julia Graf gibt die Elena mit einer herrlich aufgesetzten Gelassenheit, durch die sie ihre Freundin auf eine falsche Fährte zu locken versucht. Dabei nutzt sie gekonnt die breite Palette an Gesten, Tonlagen und spielerischen Nuancen, in der dann anscheinend völlig normale Sätze, plötzlich zu Halbwahrheiten, Irritationen und gedanklichen Verwechslungen mutieren.
In der Rolle der karrierebewussten Amanda scheint sich Suzanne Kockat sichtlich wohl zu fühlen. Sie gestaltet präzis die verschiedensten Stufen zwischen Sucht nach Anerkennung im Beruf und der tiefen Sehnsucht nach einem ruhigen Leben, welches ihre Freundin wahrscheinlich führt. Grandios, wenn sie Elena den erbärmlichen Zustand ihrer Ehe beschreibt und spürbar Souveränität, Stärke und Überzeugungskraft förmlich wie Luft aus ihrem Körper weichen.
Die Autorin Susanne Feiner hat ein intelligentes Stück über eine Frauengeneration von heute geschrieben und gibt mit der Geschichte ihren Spielfiguren viele Möglichkeiten zu Heiterkeit und Tragik oder zu ernsthafter Philosophie und witziger Slapstick. Verständlich, dass dieses Stück seit seiner Premiere in Wien 2017, nun schon an vielen Theatern Publikum und Darsteller gleichermaßen erfreut.
Regie führte Helmut Meier-Lautenschläger der die Handlung und seine Protagonistinnen geschickt laufen lässt, mit feiner Hand die notwendigen Arrangements formt und auf aufgesetzte Klischees verzichtet.
Das Publikum in der ausverkauften Premiere feierte die Darstellerinnen und den Regisseur mit langem Applaus.
Ein herrlicher Abend, den niemand verpassen sollte und der dem neuen Konzept der „Theaternative C“ trefflich zu Gesicht steht.


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Bild © Sandra Mattner
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