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Wir müssen Reden!

von Regimekritiker Dracula, Politik

Der rbb reagierte mit einer Diskussionsveranstaltung auf zunehmende Spannung zwischen Flüchtlingen und Besorgten Bürgern in Cottbus.

In Cottbus haben zu Beginn des Jahres Übergriffe zunächst von Deutschen auf Ausländer, dann von Migranten auf Deutsche allgemeine Beunruhigung ausgelöst. Der Verein Zukunft Heimat, eine Art Pegida-Ableger, sorgt mit seinen Aufmärschen und Kundgebungen bereits seit längerer Zeit für eine Eskalation zwischen Flüchtlingen und Eingeborenen. Der rbb führte dazu ein Forum vor Ort mit Vertretern aller Beteiligten Seiten durch. Dazu und zum Thema einige Gedanken:

Wir haben Religionsfreiheit und jeder kann anbeten, wen er will, sogar den freien Markt. Die Zeiten, in denen der große Karl die Sachsen mit dem Schwert christianisierte, sind vorbei. Was kümmern uns da ein paar eingeflüchtete Muslime? Die tun uns nix, die woll'n nur (über)leben. Kleingeister denken darüber ganz anders, also unnatürlich und geschichtsvergessen. Für den Vergleich mit den Leiden deutscher Flüchtlingen nach dem zweiten Weltkrieg hatten sie nur einen Lacher übrig. Die damaligen über 50 Millionen Opfer deutscher Großmannssuchtsverbrechen verdrängen sie völlig. Auch unsere Inländerkriminalität stört sie wenig, im Gegensatz zu den ebenfalls zu verurteilenden Vorfällen in Cottbus. Allerdings wirkt ihr Auftreten in der Öffentlichkeit gelegentlich auf Fremde wie eine Provokation, die auf Antwort wartet.

Die Argumentation der Besorgten Bürger war laut, emotional aufgeladen und inhaltsleer. Die andere Seite wäre ohne Eingreifen der Moderation beim disziplinierten Vorbringen ihrer Argumente untergegangen. Die bildungspolitisch gerechtfertigte Spitze des Universitätspräsidenten an die Wissenschaftsministerin von Brandenburg (aus Cottbus) war in diesem Forum völlig deplatziert. Es wurden die längst überfälligen Maßnahmen besprochen, wie mehr Sozialarbeiter und mehr bürgernahe Polizeipräsenz. Und es blieb dabei:

Symptombehandlung hat Vorrang. Aktuell wichtig aber langfristig unzureichend.

Der Wettbewerb der Eingeborenen untereinander um ihre gutbürgerliche Existenz raubt manchem von ihnen jedes Verständnis für hinzukommende Konkurrenz. Mitgefühl gehört nicht zu den Tugenden unserer Wettbewerbsgesellschaft. Sich selbst vor dem Untergang bewahren in dem man andere, nämlich die Wettbewerbsverlierer, untergehen lässt, ist Staatsdoktrin. Das ist Kern unserer Wertegemeinschaft oder auch Leitkultur genannt. Das ist "Merkel"! Warum soll sie dann weg? Die tieferen Ursachen unserer allgegenwärtigen Krise wurden nicht angesprochen. Kein Wunder, denn die Veranstaltung wurde von einem Medium organisiert, das Teil des Problems ist.

Dem Dresdener Theologen muss ich als Atheist voll zustimmen. Wir müssen miteinander reden und jeder weiteren Spaltung der Gesellschaft entgegentreten. Diese Veranstaltung war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es bedarf aber noch sehr viel Selbstdisziplin und argumentatives Geschick, den Geist der Aufklärung oder gewisse religiöse Grundwerte (je nach Weltanschauung = Menschlichkeit) in ein mittlerweile gärendes Volk zurück zu bringen. Leider werden ähnliche Gesprächsangebote häufig als Neurechts oder Querfront diffamiert. Dabei kann man sich auch von menschenverachtenden Ideologien distanzieren ohne sich abzuschotten.

Und darum: Ich bin ein Besorgter Bürger! Einer, der sich um den sozialen und militärischen Frieden bei uns und in der Welt sorgt. Kann man die, die den Privilegienerhalt für die Reichen durch Spaltung der Gesellschaft besorgen eigentlich noch als "besorgt" bezeichnen?
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