Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Nina Ponath

Wo im Kühlschrank Pilze wachsen.

von Christiane Freitag, Buch

über merkwürdige Mitbewohner, unkonventionelle Untermieter und wunderliche Wunschkonzepte


Die Wohngemeinschaft – kurz: WG. Ursprünglich in den 1960ern entstanden als alternative Lebensform und als deutliche Abgrenzung gegen alle alten und vollkommen unbrauchbaren Spießerkonventionen: Die legendäre Berliner Kommune 1 ist wohl das prominenteste Beispiel aus dieser „Gründerzeit“.
Sex, Drugs und Rock ‘n Roll gehörten gleichsam dazu, wie lange Haare, jede Menge Rotwein und mindestens eine John Lennon Platte. Nun hat sich daran ja bis heute nicht viel geändert. Junge Leute wagen den Schritt aus dem elterlichen Nest, werden flügge, ziehen in eine WG. Feiern dort dann wilde Parties, konsumieren die ein oder andere illegale Substanz und schleppen ab bzw. werden abgeschleppt…nur John Lennon, der passt da nicht mehr ganz ins Bild. Was früher also als Plattform der politischen Gleichgesinnung genutzt wurde, ist heute nicht mehr deswegen so weit verbreitet, sondern weil’s eben günstiger ist und weil es einfach fetzt. Das wiederum heißt allerdings keinesfalls, dass die WG auch nur irgendwas an Reiz und Spannung verloren hat. Ganz im Gegenteil. Was früher die heißen Diskussionen über zumeist Politik, Wirtschaft oder Marihuana waren, sind heute die unerträglichen Macken zumeist verrückter Mitbewohner (die sich in Insiderkreisen ganz rational MiBeWos schimpfen). Entweder haben die ihr ganz eigenes Verständnis von Ordnung und/oder Hygiene, komische Freunde oder Partner, einen Musikgeschmack, der die Fußnägel zum kräuseln bringt oder sie sind schlichtweg wahnsinnig psychopathisch. So oder so, den perfekten Mitbewohner scheint es irgendwie nicht zu geben. Und immer sind die Erlebnisse so kurios, dass man sie eigentlich schriftlich festhalten müsste. Diesen oder einen ähnlichen Gedanken muss wohl auch Nina Ponath gehabt haben. In die Tat umgesetzt entstand dabei ihre im Oktober 2012 erschienene Geschichtensammlung „Wo im Kühlschrank Pilze wachsen“. Darin dokumentiert finden sich 33 wahre WG-Geschichten, die die gesamte Palette des Vorstellbaren ausfüllen – und noch viel mehr. Was hier jetzt witzig und spannend klingt, findet sich im Buch leider nicht so wirklich gelungen umgesetzt. Relativ nüchtern erzählt, hätten viele der Geschichten einen ´Müh´ mehr Wortwitz vertragen können. Es macht zwar an vielen Stellen Spaß das Buch zu lesen. Vom Hocker haut es einen dabei aber nicht, so dass das Buch allenfalls einem voyeuristischen Anspruch gerecht wird.
Wie sagt man üblicherweise: Die Idee war gut, aber die Umsetzung... . Schade eigentlich, denn es liegt wahrlich viel Potenzial in den einzelnen Geschichten.

Nina Ponath: Wo im Kühlschrank Pilze wachsen

33 wahre WG-Geschichten über merkwürdige Mitbewohner,
unkonventionelle Untermieter und wunderliche Wohnkonzepte
ca. 288 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-169-6
9,95 EUR (D)

Bei Amazon kaufen

Hinweis: kultur-cottbus.de benutzt Amazon Affiliate Links. Eine Bestellung über einen solchen Link bringt euch keine Nachteile, der Blattwerk e.V. wird aber mit einen geringen Prozentsatz am Umsatz beteiligt.
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus