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Zoe.Leela vs. GEMA

von ZOE.LEELA, Benjamin Tschierschke, Musik

Die GEMA - viele Menschen, vor allem Schaffende und Künstler, runzeln die Stirn bei diesem Begriff für eine Institution, die eigentlich wie für sie gemacht sein und sie in ihrem kreativen Werdegang unterstützen sollte. Die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) nimmt die aus dem Urhebergesetz entstandenen Rechte von Textdichtern, Komponisten und Verlegern wahr, und das treuhänderisch, d.h. ohne dabei Gewinn zu erwirtschaften.
Fragt man nun diese Künstler aber nach ihren Meinungen zu der deutschen Verwertungsgesellschaft, dann fallen immer wieder die selben Worte: altbacken, festgefahren, unflexibel, ungerecht.
Die Frage ist also legitim, wie solche Meinungen zustande kommen, wenn der Verein doch eigentlich im Sinne der Urheber handeln sollte, und die Nutzung der Werke auswertet und vergütet.
Vor allem die starke Anhaftung der GEMA an traditionellen Strukturen bringt viele in Unmut. Denn die GEMA, so hat man das Gefühl, verschließt vor neuen Medien und Möglichkeiten der Schöpfung von neuen Werken im digitalen Zeitalter Augen und Ohren.
Die junge Künstlerin Zoe.Leela aus Berlin hat mit der GEMA nichts am Hut. Ihre Debüt EP „QUEENDOM COME“ veröffentlichte sie 2009 kostenlos unter einer Creative Commons Lizenz. Was diese Lizenzform beinhaltet, beschreibt die Organisation auf ihrer Internetseite am Treffendsten: Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die in Form vorgefertigter Lizenzverträge eine Hilfestellung für die Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Medieninhalte anbietet. Ganz konkret bietet CC sechs verschiedene Standard-Lizenzverträge an, die bei der Verbreitung kreativer Inhalte genutzt werden können, um die rechtlichen Bedingungen festzulegen. CC ist dabei selber weder als Verwerter noch als Verleger von Inhalten tätig und ist auch nicht Vertragspartner von Urhebern und Rechteinhabern, die ihre Inhalte unter CC-Lizenzverträgen verbreiten wollen. Die CC-Lizenzverträge werden also von den Urhebern übernommen und in eigener Verantwortung verwendet, um klarzustellen, was mit den Inhalten ihrer Webseiten geschehen darf und was nicht.
Das ist ein Riesen-Unterschied zur Verwertungsform der GEMA. Dort entscheidet ein Künstler nicht welche Rechte er wie abgeben möchte, sondern ob er überhaupt möchte oder nicht. Wenn er einmal zustimmt, gibt er alle Verwertungsrechte zunächst an die GEMA ab, und jeder der sie nun nutzen will, sei es die Musik auf dem Jahrmarkt zu spielen oder in Fernsehsendungen zu unterlegen, darf sie für Entgelt nutzen.
In der festen Überzeugung, dass Kreativität als Wert für Alle da ist, veröffentlichte Zoe.Leela am 27. Januar 2012 (exklusiv bei iTunes schon seit 16.12.2011) ihr Debüt Album DIGITAL GUILT synchron auf einem klassischen Platten Label - Motor Music / Rent A Record Company - UND erneut unter einer Creative Commons Lizenz. Somit schöpft sie aus allen Chancen eines innovativen Labels und der Creative Commons-Lizenz.
Dabei will ZOE.LEELA nicht das Post-GEMA-Zeitalter ausrufen, sondern eine Alternative bieten, Strukturen aufbrechen, kulturelle Freiheit im Netz schützen und Kreativität demokratisieren. Für den Käufer bedeutet das: freie Entscheidung, ob er sich DIGITAL GUILT im Laden holt oder per Download plus Spenden-Button selbst den Preis bestimmt. - Der Fan wird mündig und nicht kriminell.
Quote:
„Als Sängerin will ich eine Vertreterin derer sein, die keine Stimme haben. Es geht mir um demokratische Teilhabe –Möglichkeiten, um Gerechtigkeit, ohne Wenn und Aber.Da die GEMA in unverantwortlicher Weise die Möglichkeiten insbesondere junger Künstler beschneidet, anstatt sie zu fördern - was ja eigentlich ihr Interesse sein sollte,halte ich es für dringend notwendig einen kritischen Blick von außen auf die Wirkungen, die das Verteilungssystem der GEMA hat zu werfen. In Thesenform möchte ich daher Fragen bezüglich der GEMA aufwerfen, auf Probleme hinweisen, zum Mit- und Nachdenken anregen. Jeder sei willkommen sich über den Inhalt und die Stichhaltigkeit der Thesen auseinanderzusetzen und sie zu belegen bzw. widerlegen.“
Wenn die GEMA der Staat wäre, müssten alle Steuern zahlen, aber nur 5% dürften wählen gehen, die fünf Prozent Reichsten. Denn nur die beitragsstärksten GEMA Mitglieder haben ein Mitspracherecht. Das sind von ungefähr 60.000 nur 3.200! Der Rechteverwerter GEMA beruft sich dabei auf das deutsche Vereinsrecht. Mitspracherecht haben also die, die viel zum Gesamtumsatz beitragen und somit auch am meisten von der GEMA profitieren.
Auf die Annahme, dass natürlich diese 5% wenig Interesse daran haben, daran etwas zu ändern, antwortet ein Vertreter der GEMA im aktuellen GEMA-Dossier auf motor.de folgendes: „Auch diese wirtschaftlich erfolgreichen Mitglieder sind natürlich daran interessiert, an neuen wirtschaftlichen Entwicklungen zu partizipieren. Außerdem wäre es ja ein Umkehrschluss des GEMA Solidarsystems: verteilt wird an alle Mitglieder der GEMA gleich, unabhängig vom Mitgliedsstatus. Wir sind auch bei der Verteilung zur Gleichbehandlung verpflichtet.“

Wenn das nur so wäre…
Gründungsidee und Hauptargument der GEMA ist die Absicherung der Einnahmen ihrer Mitglieder. Tatsächlich bringt der Rechteverwerter erstmal nichts, sondern nimmt – und zwar ganz massiv: Von jeder verkauften Platte und jedem Download geht eine Bearbeitungsgebühr von fast 30 (!) Prozent an die GEMA.
Großer Verlierer sind alle - vom Künstler bis zum Käufer. Und das mehrfach. Denn damit sind die Titel im Netz nicht mehr frei verfügbar, womit die GEMA viralen Anspruch und Aufbau des Urhebers erfolgreich torpediert hat. Bietet dieser sein Werk auf eigene Faust als Gratis-Download an, riskiert er eine Nachforderung. Die Rechtewahrnehmung des bürokratischen Monopolisten kennt keine Kompromisse. Eine Herauslösung einzelner Songs ist nicht möglich.
Und selbst, wenn man es als junger Musiker endlich ins Radio geschafft hat, lässt der wirtschaftliche Mehrwert auf sich warten. Newcomer werden nicht pro Airplay abgerechnet, d.h. wie oft gespielt wird, sondern kollektiv über die 31 größten Stationen. Dann werden die Ergebnisse diese Mainstream- und Schlagersender einfach auf ambitionierte Anbieter wie Flux FM, Star, Fritz etc. umgelegt. Ein realitätsferner und ungerechter Verteilungsschlüssel, der wieder ausschließlich den Dieter Bohlens dieser Welt dient. Zum Glück nur dann, wenn man sich für eine GEMA-Mitgliedschaft entschieden hat.
Albuminfo „DIGITAL GUILT“
synchron erhältlich als Creative Commons Lizenz und
bei: Motor Music / Rent A Record Company
Motor Entertainment GmbH


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