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Zwei Namen - eine Verpflichtung

von René Lindenau, Buch

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren bedeutende Menschen. Vor 100 Jahren wurden sie im Zusammenspiel von SPD und Rechtsextremisten ermordet. Bis heute will die SPD nicht die Verantwortung dafür übernehmen, wie Andrea Nahles noch kürzlich deutlich machte. Und das SPD-Zentralorgan „Vorwärts“ feierte diesen feigen Mord kürzlich immer noch als Kampf für die Demokratie. Dunkle Abgründe zeigen sich da in den Seelen mancher Sozialdemokraten – heute genauso wie damals.
Um an dieses politische Verbrechen zu erinnern, wurden in diesem Jahr nicht nur schon viele Aufsätze gedruckt, auch einige Bücher beschäftigen sich mit ihm. Eines ist: „Geschichte im Brennpunkt. Der Fall Liebknecht/Luxemburg“ aus dem Verlag Das Neue Berlin.
„Geschichte im Brennpunkt“ ist eine Bücherreihe aus dem Verlag und soll vor allem jungen Menschen einen besseren Zugang zu bedeutenden Persönlichkeiten und historischen Ereignissen ermöglichen. „Der Fall Liebknecht/Luxemburg“ ist für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen und schildert konzentriert und anschaulich den Doppelmord an den beiden linken Politikern. Auch der gesellschaftliche Kontext des Verbrechens wird kurz und anschaulich dargestellt. Das Buch rekonstruiert, was vor hundert Jahren geschah. Es liefert das notwendige Grundwissen und stellt gesellschaftliche Hintergründe dar.
Eines kann das Buch aber nicht leisten: Die SPD von ihrer Blutschuld entlasten. Die Noskes, Eberts und Scheidemanns haben nicht nur das Blut von Luxemburg und Liebknecht vergossen, sondern auch das tausender Arbeiter, die für die Demokratie eingetreten sind. (bm)


Sie malte, zeichnete und hatte „Lust zu leben“. Er schrieb Gedichte und wollte „die glücklichste Zukunft schaffen“. Beide wurden gewaltsam daran gehindert. Angehöriger rechter Freikorps nahmen ihnen, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, das Wertvollste.

In der Geschichte der Arbeiterbewegung nehmen sie einen wichtigen Platz ein. Waren sie doch hervorragende Theoretiker und Praktiker sozialistischer Politik. Mit ihrem Wort und mit ihrer Tat waren sie Vorkämpfer für einen wahrhaft freiheitlichen demokratischen Sozialismus. In der Politik wie in der Wissenschaft bieten die zwei mit ihrem Leben und Werk bis heute Stoff für Auseinandersetzungen.

Die einen mühen sich, ihr Andenken zu wahren und ihren politischen Zielen Stimme und Gewicht zu geben. Und andere versuchen, auch abseits von legitimer kontroverser Debatte, schlicht das Gegenteil, so das sie aufpassen müssen, nicht den Boden für den Mord an heute aktiven linken Politiker das Wort zu reden und zu schreiben. So nannte der CDU-Politiker Roland Pofalla das militärische Vorgehen von Gustav Noske (SPD) „ein beherztes Auftreten für die Republik“. Opfer dieses Auftretens wurden bekanntlich auch Luxemburg und Liebknecht. Ein Berliner NPD-Funktionär stufte diese Morde gar als „Akt des Demokratieerhalts"ein.

Ihnen seien folgende Worte von Rosa Luxemburg ins rechte Stammbuch geschrieben: „Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf stirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution...“ Zu hören war das im Januar 1949 in einer RIAS-Sendung in der umfänglich aus ihrer Schrift „Die russische Revolution“ zitiert wurde.

Beide fanden in die Sozialdemokratische Partei und wurden später zu Mitbegründern der KPD. Zeit ihres politischen Lebens kämpften sie für soziale Gerechtigkeit und gegen den Krieg. Von Karl Liebknecht ist ja bekannt, das er 1914 als einziger SPD-Abgeordneter nicht seine Zustimmung zu den Kriegskrediten gab. Im „Vorwärts“ vom 3. Dezember 1914 war dann zu lesen: „Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion stellt fest, dass der Genosse Karl Liebknecht entgegen dem alten Brauch der Fraktion, der durch einen ausdrücklichen Beschluss für den vorliegenden Fall erneuert wurde, gegen die Kriegskreditvorlage gestimmt hat. Der Vorstand bedauert diesen Bruch der Disziplin, der die Fraktion noch beschäftigen wird, aufs tiefste“. Dabei hatte sich Liebknecht bei der Ablehnung jener Vorlage lediglich von Parteiprogramm und Parteibeschlüssen leiten lassen. Quasi zur Strafe steckte man ihn in bei Missachtung seiner Abgeordnetenimmunität in eine Uniform und schickte ihn an die Front.

Inzwischen scheint es bei der SPD zum guten Brauch geworden zu sein, Auslandseinsätzen der Bundeswehr zuzustimmen. Jedenfalls, anders als die gegenwärtige SPD waren Liebknecht und Luxemburg bei ihrer Ablehnung des Militarismus und des Krieges als Mittel der Politik geblieben. Auch sozial- und demokratiepolitisch hat die SPD, der einst die beiden „L"s angehörten sich dramatisch gewandelt. Denken wir an die Kanzlerschaft des Genossen Gerhard Schröder, womit das Elend der SPD so richtig begann: Sie entsozialdemokratisierte sich; Kriegsteilnahmen, Hartz-Gesetze, Privatisierung und Demokratieabbau. Nach Schröder macht sie es nun in Kollaboration mit der CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Luxemburg und Liebknecht stritten einst für Demokratie gegen den Krieg und für soziale Gerechtigkeit und wurden dafür mehrfach ins Gefängnis gesperrt. SPD-Politiker die sich heute für Auslandseinsätze der Bundeswehr aussprechen und die sich am Sozial-und Demokratieabbau mitschuldig machen laufen frei herum.…

Weil auch 100 Jahre nach der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg große Teile der deutschen Öffentlichkeit ihnen eine angemessene Würdigung verweigert - deshalb dieser Beitrag. Was bleibt, ist die Verpflichtung der sich eine demokratische Linke zu stellen hat, wenn SIE es mit der alljährlichen Luxemburg-Liebknecht-Ehrung in Berlin-Friedrichsfelde ernst meint: Alles dafür zu tun, dass es gelingt, die Ideale für die Karl und Rosa letztlich umgebracht worden sind, zu verwirklichen.
Geschichte im Brennpunkt.
Der Fall Liebknecht/Luxemburg

2019, Berlin: Das Neue Berlin,
176 Seiten, Preis: 12,99€
ISBN 978-3-360-01340-8
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