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Charlotte Fritsch

Zwischen mir und mir. Sommerferien in der Psychiatrie.

von Christiane Freitag, Buch

Gibt es für alles eine Pille oder liegen die Ursachen mancher Krankheiten ganz woanders? Inwiefern beeinflusst die Umwelt ein Kind, einen Jugendlichen? Kann man jungen Menschen psychische Erkrankungen „einreden“, in dem man ihnen so lange die Symptome vorlebt bis sie es selbst glauben? Wann bin ich Ich und wann von der Krankheit bestimmt?
Depressionen sind kein unumstrittenes Thema. Diagnosemöglichkeiten polarisieren ebenso wie die Therapieformen. Die einen halten sie für simple Stimmungsschwankungen, die anderen für ein ernst zu nehmendes Problem. Handelt es sich beim Patienten um Jugendliche, wird es gleich ganz vertrackt. Hier gibt es erst recht keine absolut gültigen Parameter um beispielsweise zwischen Pubertät und tatsächlicher Depression zu unterscheiden. Charlotte Fritsch liefert zu genau dieser Problematik den intim und einfühlsam erzählten Roman „Zwischen mir und mir. Ferien in der Jugendpsychiatrie“.
Durch die Augen der sechzehnjährigen Christin sieht man die Welt als vermeintlich manisch-depressiv Erkrankte. Bereits ihre Mutter ist an Depressionen erkrankt, jetzt zwar gut eingestellt, aber wirkt dennoch etwas neben der Spur. Und sie ist es auch, die keinesfalls vergisst stetig erste Anzeichen bei ihrer Tochter wahrzunehmen. Sie geht mir ihr zum Arzt und schnell steht fest: Christin verbringt diese Ferien nicht im Urlaub mit Freunden, sondern in der Jugendpsychiatrie, lernt dort die Dorftussis, den Affen, den Papagei, Miss Psychiatrie, die Laute, die Leise, die Essenfrau und viele andere kennen. Diese und andere Figuren sind es auch, die es im Verlauf des Buches auseinander zu halten gilt, was irgendwie immer schwieriger wird. Mir gelingt es nur ansatzweise. Immer wieder blättere ich hin und her um heraus zu finden wer jetzt eigentlich wer war. Verwirrend aber möglicherweise auch ein reeller Einblick in die Gedankenwelt einer Manisch-Depressiven: Den eigenen Gefühlen völlig ausgeliefert, erst Himmel hoch jauchzend dann zu Tode betrübt, erst ist Christin trotzig-motzig, im nächsten Moment tanzt sie durchs Zimmer, und immer ist man dank Ich-Erzählerin ganz nah dran. Charlotte Fritsch ist es so gelungen einen unglaublich authentischen und echten Eindruck zu vermitteln. Wohl nicht zuletzt auch, weil sie „als Jugendliche selbst einen kurzen Abstecher in eine Psychiatrie“ (Quelle: Autoreninterview auf Periplaneta.com) gemacht hat und das aufgrund einer Fehldiagnose. Wie sie selbst sagt, verwechselte der Arzt Pubertät mit Depression (Quelle: ebd.).
„Zwischen mir und mir“ wirft, wie in der Einleitung bereits angedeutet, viele Fragen auf, lässt Zweifel wachsen, um zu guter Letzt dann doch „alles im Guten enden zu lassen“. Ein spannendes und lehrreiches Buch.
CHARLOTTE FRITSCH: Zwischen mir und mir – Sommerferien in der Psychiatrie
1. Auflage, April 2013, Periplaneta Berlin, Edition Blickpunkt, Buch, Softcover 160 S., 19 x 13,5 cm, Print ISBN: 978-3-943876-62-8, GLP: 12,50 €

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