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bild der wissenschaft

50 Jahre aus Forschung und Technik

von Jens Pittasch, Buch

Meine erste Begegnung mit dem Magazin war beim Zahnarzt. Also in dessen Wartezimmer. Und sie führte dazu, dass ich garnicht böse war, wenn´s dort mal wieder etwas länger dauerte. Wurde ich doch aus einem Artikel herausgerissen, „Der Nächste bitte“, setzte ich mich tatsächlich nach der Behandlung noch mal hin, um weiterzulesen. Wenn nicht inzwischen jemand anders diese Ausgabe in den Händen hielt und ich mir vornahm, zu Hause mal zu schauen, wie es eigentlich mit Abos aussieht. Daraus wurde dann nie etwas, im Alltag war einfach keine Lücke für´s intensive Lesen einer umfangreichen und interessanten Monatszeitschrift. Irgendwann lag „bild der wissenschaft“ dann auch nicht mehr beim Zahnarzt, statt dessen fanden sich dort Frauenzeitschriften und Ausmalhefte.
Erst Ende 2013 gab es einen neuen Kontakt, einen Hinweis von Leserseite „bdw“, Deutschlands erstes Wissenschaftsmagazin, einmal vorzustellen. Und passenderweise ergab sich gleich ein besonders guter Anlass: Der 50. Geburtstag. Allerdings ist das Jubiläumsheft (2/14) nicht die 600. sondern erst die 594. Monatsausgabe. Denn zunächst als Quartalsmagazin gedacht, verkürzte man wegen des hohen Interesses schnell auf eine monatliche Erscheinungsweise. Fünfzig Jahre aus Forschung und Technik also und dies immer mit dem besonderen Anspruch der Allgemeinverständlichkeit und unterhaltsamen Lesbarkeit.
Das Jubiläumsheft bietet einen Querschnitt durch diese Zeit, eine Zeit wirklich großer Erkenntnisse und mancher Umstürze von Lehrmeinungen und Theorien. Mittels breit angelegter Experten-Umfrage wollte die Redaktion nun von Fachleuten wissen: Was war herausragend in den letzten 50 Jahren in Forschung und Technik? Im Geburtstagsheft findet sich das Ranking der häufigsten Nennungen – mit einer ausführlichen Vorstellung der Top Ten. Außerdem dabei: „Wie ein Spaziergang am Meeresgrund“, was Besucher der 45 Salzwasser- Aquarien im Stralsunder „Ozeaneum“ erleben; „Love hacking“, Science Fiction über Liebe im Jahr 2064; „Schwarze Löcher aus der Urzeit“, über Energiemonster bereits kurz nach dem Urknall; und „Im Zweifel gegen den Angeklagten“, eine brisante Analyse über den Zusammenhang von Gutachten und Fehlurteilen in deutschen Gerichten.
Ausgerechnet dieses 50-iger-Heft schaut jedoch etwas zu sehr nach hinten und macht damit den Eindruck halt 50 Jahre ALT zu sein - sehr schade. Hier hätte viel mehr Ausblick und Vision für die eigene Zukunft hinein gehört, wenn eine angemessene Rückschau auch verständlich und legitim ist.
Erkennbar ist ebenfalls, dass noch 25 Jahre nach der Wende Themen, Autoren und Spezialisten einen deutlichen Hang zum deutschen Südwesten haben und Print- und Web-Layout etwas in vergangenen Jahren steckengeblieben sind.
Die erste Ausgabe im 51. Jahr, März 2014, bringt dann - neben durchaus interessanten Themen der Printversion - eine mediale Neuerung. Unter dem nicht sehr kreativen Namen „Panorama2014“ gibt es im Internet Filmbeiträge zu Wissenschaftsthemen, die gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie erstellt wurden. Grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings nicht in zeitgerechter Art. Um hier zukunftstauglich zu werden, sprich interessant auch für neue Nutzer- und Lesergruppen, müssen an die neuen Medien auch Menschen mit einem neuen Blick, mit dem Blick und der Erfahrung von außen auf die wissenschaftliche Welt. Besonders die bdw-Eigenbeiträge über Marke und Macher, sowie Intro und Gespräch mit Chefredakteur Wolfgang Hess kommen angestaubt und abschreckend langweilig daher. Der Zugang zu den Filmen öffnet sich leider erst nach persönlicher Anmeldung mit nicht abzuwählender Werbezustimmung. Heutige Forderungen an den Umgang mit Kundendaten scheinen hier aus dem Blick geraten zu sein. Ebenso, wie
aktuelle Wünsche, Erwartungen und Sehgewohnheiten möglicher Interessenten wohl nicht im Fokus standen. Ohne Umdenken ist hier Gefahr in Verzug, und das Älterwerden der bisher treuen Leser führt unweigerlich ans Ende des Konzepts.
Dabei ist es wichtig und lohnenswert Wissen zu den Menschen zu bringen und ein Format, wie „bild der wissenschaft“ als besonderes Magazin in der Flut der Druckerzeugnisse zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ein Heft, für das es sich lohnt, sich etwas Zeit zu nehmen. - Also: Was wäre das Leben ohne Herausforderungen? Alles Gute somit für die nächsten 50 Jahre, von uns im Vierzehnten.

INFO-LINK: www.wissenschaft.de
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