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Sebastian Lehmann, Volker Surmann (Hrsg.)

lost in gentrification

von Christiane Freitag, Buch

„lost in gentrification“ dürfte sich so mancher Ur-Berliner, -Leipziger, -Hamburger oder Ur-Stadt-X-er fühlen. Denn angesichts der großen Zuzugsgemeinden derer sich so manche Großstädte mehr oder weniger erfreuen ist der Begriff Gentrifizierung, der bisher höchstens mal in einer stadtsoziologischen und allerhöchstens in einer baugeschichtlichen Lehrveranstaltung fiel, mittlerweile salonfähig geworden.
Überall hört man (oft mit abfälligem Tonfall), überall liest man (oft in bunter Sprayfarbe an frisch edelsanierte Fassaden gekliert), das Wort, worüber die Zunge beim Aussprechen oft stolpert – ebenso wie mancher ‚Urbewohner‘ eines gerade neu gentrifizierten Stadtteils. Diese Omnipräsenz lädt viele dazu ein sich mit dem Phänomen auseinandersetzen. Ob nun intellektuell oder auf Stammtischniveau, ernst oder nicht ganz so ernst gemeint, vor allem Literatur über Gentrifizierung ist vielseitig. Das Vertreiben von Alteingesessenen durch hippe Künstler, die dann wiederum von Yuppies mit Biotick und dicken Geldbörsen vertrieben werden scheint eine schier unerschöpfliche Quelle zu sein – nicht nur für Autoren auch für jeden anderen der mitreden will in einer Diskussion über dieses bedeutungsschwangere Wort.
Gemäß dem Motto: „Lassen Sie mich durch! Ich bin Künstler und Poet.“, ist auch das gerade erschienene Buch „lost in gentrification“ von Sebastian Lehmann und Volker Surmann (Hrsg.) ein solches Werk. Darin verewigt finden sich 36 Geschichten, Gedichte und andere Kuriositäten von 33 Literaten, die sich satirisch, wohlwollend, böse und/oder gleichgültig mit Gentrifizierung auseinandersetzen. Oft sprechen sie aus, was viele denken, oft aber auch was eigentlich keiner hören will. Der ganze Diskurs in einem Buch und mit einem Hauch Satire versehen. Super Idee! Wer darin plumpen, komödiantischen Haudrauf-Humor sucht, sucht vergebens. Gut, der ein oder andere Text ist eher verschroben als sinnvoll, doch als Ganzheit überzeugt das Buch auf voller Linie. Ob das nun der Widerstandskampf der Schlaglocher oder eine echte Prenzlauer Patchworkgeschichte oder die Genealogie der Großmaultasche ist, dieses Buch besticht sowohl mit Vielfalt, als auch mit Kongenialität. Eigentlich ein Muss für jeden von Gentrifizierung betroffenen und auch für Gentrifizierer (alle Hipster eingeschlossen), denn es ergreift Partei für beide Seiten. Dabei kommt es mit einer Leichtigkeit daher und wagt auch mal in anderen Kategorien zu denken als nur in Gentrifizierung-Nein-Danke oder in Gentrifizierung-ist-doch-alles-Blödsinn.
Ein Buch, das gleichzeitig zum Lachen bringt und zum Nachdenken anregt: Na wenn sich der Erwerb und die Lektüre da mal nicht lohnen…!!!
Sebastian Lehmann, Volker Surmann (Hrsg.) – lost in gentrification
Satyr-Verlag, broschiert, 192 S.
12,90 EUR
ISBN 978-3-9814891-6-3
September 2012

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