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Gerald Hörhan

null bock Komplott

von Jens Pittasch, Buch

Da ist es, das nächste Werk des schreibenden Investment-Punks - so zumindest das Selbstbild des Mathematik-Olympioniken und Harvard-Studenten Gerald Hörhan. Der ansonsten gern snobistische Autorennen fährt und gegen mögliche Altersarmut Eigentumswohnungen in besten Lagen hortet.
Hauptberuflich Corporate Financer, also Käufer günstig zu habender Firmen, die man aufgehübscht noch günstiger verkaufen kann, hat Hörhan der Gesellschaft etwas mitzuteilen und 2010 begonnen, dies in Buchform zu tun.
Nach „Investment Punk: Warum ihr schuftet und wir reich werden“ und „Gegengift – Europa stiehlt euch die Zukunft. Wie ihr euch wehrt.“ ist im Oktober 2013 das „null bock Komplott“ erschienen. Erneut soll es durchaus ein Lehrbuch sein - Untertitel: „Warum immer die Weicheier Karriere machen und wie ihr es trotzdem schafft.“
Noch deutlicher, teils erneut geradezu wütend, führt Hörhan das System und seine gehorsamen Diener am kurzen Strick durch die Arena, identifiziert gnadenlos Weicheier und deren fatale Wirkung auf´s Ganze. Und dieses Ganze als ein Komplott weniger zu Lasten vieler und besonders der Besten. - Bevor nun jemand Kommunismus wittert, danach strebt Hörhan sicher nicht.
Seine in den meisten Punkten zutreffend, beißende Kritik trifft genau dort, wo es wirklich angebracht ist, wo wirklich „Systemrelevantes“ schief läuft, beziehungsweise eben aus Sicht der Profiteure „des Systems“ genau richtig.
Doch kennt Hörhan bei aller Berechtigung seiner Analyse und jeder Berechtigung, wenn er dann zum Widerstand aufruft, stets nur eine Definition für sinnvolles Leben: den materiellen Erfolg und Reichtum.
Und so liest man zustimmend über die Weicheier: „Für sie, die Verantwortung scheuen, keine Entscheidungen treffen, kein Risiko nehmen, nichts produzieren, nichts schaffen, alles blockieren oder finden, dass sich etwas einfach nicht gehört, ist diese Suppe aus Regulierung, Kontrollen, Leistungsfeindlichkeit, Gleichheit und Demotivierung das ideale Biotop.“ - zugleich aber schaudert es, wenn Hörhan danach stets alles auf einen Kampf der Talentierten gegen den Durchschnitt reduziert und gegen ein Kontrollsystem, das die wirklich Talentierten behindert. Fatal dabei: seine reduzierte Sicht ist in sich sogar vollkommen schlüssig. Nur wer mitdenkt, bemerkt, dass Hörhan bei seinem verachtenden Abkanzeln des „Durchschnitts“ einfach vergisst, dass es nicht nur Macht- und Siegertypen gibt und Mensch-Sein eben mehr ist, als die pure Evolution. Altruismus beispielsweise ist nicht nur dumm und nachteilig für den Einzelnen, sondern eine Grundlage der Gemeinschaft. Die aber ist Hörhan am A... egal. Als Punk, der ja nicht sozial sein will, wäre Hörhan konsequent. Als Punk dem Begriff nach, ´wertlos´, nutzt er die Provokation jedoch einfach rücksichtslos für seine totale persönliche Wertsteigerung.
Und so hat auch „das System“ im Zweifelsfall eine gute Ausrede, auf die vielen richtigen Ansätze nicht reagieren zu müssen, sie einfach als narrenfreie Meinungsfreiheit ins Buchregal zu stellen und dort einzustauben.

Gerald Hörhan, „null bock Komplott“

ISBN: 978-3-99001-058-7
edition a GmbH, Wien

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