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Lesebühne: wie wir leben wollen II

von Matthias Heine, Kultur

erst

geboren bei Leuten mit deutschen worten im mund
eingekackert und hilflos
dann viel geliebt werden
dann selber sauber machen

dann

kein kind mehr aber satt
keine haare mehr aber satt
keine dörfer mehr aber satt
keine liebe mehr aber satt

dann

eine therapie: jeder muss mit seiner einsamkeit selber fertig werden und darf nicht vertauschen, dass es sich dabei um das füllen von leere handelt und nicht andersherum, einsamkeit kann man nicht aussaufen,
die wurzeln des glückes findest du in dir,
das ist ein muster, ein muster
frauen kommen, frauen gehen, neurodermitis bleibt,
ein muster

dann

keine eltern mehr aber satt,
keine arbeit mehr aber satt,
keine namen mehr aber satt,
keine zähne mehr aber doch einigermaßen satt,
keine gesichter mehr aber satt,
keine ahnung mehr ob man satt ist,
eingekackert und hilflos bei leuten mit fremden worten im mund,
kein Pumpen mehr,
kein satt mehr.
immer noch angst haben um den gartenzwerg,
noch schnaufen,
nicht mehr schnaufen

dann

noch eine therapie:
der weg allen westlichen fleisches,
noch eine therapie,
nicht das schlimmste
frieden und bäuche
eine Therapie - rien ne va plus

dann

gesonnt an der küste italiens
nach etwas seegang ein paar exilanten begegnet
die liegen dort als leichen in der gischt
reißen weiße kleckerburgen ein
bringen bakterien übers meer und hacken uns die köpfe ab
die kinder heulen
urlaub versaut

dann

glaube, liebe, hoffnung...
GLAUBEN: alles hat seine richtigkeit, mutter
LIEBEN: ausschließlich seine nächsten, vater
und auch den frieden, mutter
und auch den bekifften wohlstand, vater
in der rechten hosentasche, mama

dann

HOFFEN: dass man mit aktiver passivität durchkommt
ohren zuhalten
herz und ohren zuhalten
augen zu

Augen geradeaus! Rechts um!
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