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Ina Bierstedt/Sabine Herrmann
Entlegene Ecken/ Die unergründliche Tiefe

Ina Bierstedt

Die Berliner Künstlerin Ina Bierstedt bringt ihre Malereien mit installativer Besetzungsenergie in den Maschinenhausraum M1 ein. Und wie nebenbei entfaltet sich ein Schaffensbogen von rund 15 Jahren. Die gut 20 Werke fokussieren sich auf Fragen nach zeitgenössischen Darstellungen von Figur und, bzw. in der, Landschaft. Ihre Handschrift zeichnet sich durch die Entgegensetzung von gegenständlichen und ungegenständlichen Bildfeldern und -teilen aus, die sich überlagern, verschränken und neuordnen. Diese gebauten Räume mit Fern- und Nahwirkung fordern den Orientierungssinn heraus, denn sie laden zum Durchwandern ein. Nur, dass der Betrachter hier keine Eindeutigkeit vorfindet, sondern viele Ansätze und Deutungspfade. Die nachmodernen Versatzstücke und Restvorkommen offerieren einerseits ein pulsierendes Suchbild, wie sie andererseits die Fremdheit der Welt ertasten.Eine Mischtechnik der besonderen Art hat die Malerin mit den Jahren für sich entwickelt, in der fette gegen magere Partien stehen, sich Farbschichten abstoßen oder „ausbluten“. Und in den unterschiedlichen Geschwindigkeiten des Malens tritt das Gemälde als Wuchsform hervor, denn für Ina Bierstedt erscheint die prozessuale Bildentstehung ein wesentlicher Gesichtspunkt ihrer Arbeit, der im abgeschlossenen Bild dem Betrachter durchaus lebendig gegenübertreten soll. Zudem werden zeichnerische mit malerischen Elementen verwoben. Das schichtenweise Auftragen, was auch wieder in ein Farbabtragen münden kann, schafft eine äußerst vielgestaltige und differenzierte Oberfläche von Inkrustationen über Farbverläufe bis zur durchschimmernden Leinwand selbst.


Sabine Herrmann

Die Berliner Künstlerin Sabine Herrmann entfaltet ihre Kunst ab Mitte der 1980er Jahre ausgehend von neoexpressiver Figürlichkeit zu einer sehr eigenen Malwelt. So entwickelte sie über die Jahre in der intensiven Beschäftigung mit selbst angerührten Pigmenten eine besondere Schichttechnik, die sich auf großen Papierbögen ausbreitet. Dabei lässt der Farbeintrag in die Papiere ausgeprägte Binnenstrukturen entstehen. Dergestalt gewinnen ihre Bilder eine atmende Verwebung, die manche Farbpartie hervorleuchten lässt. Sie entfacht in den Flächen teils Transparenz, teils körperhafte Tiefe. Oftmals von nur einem subtil variierten Ton ausströmend, erobert das Bildfeld eine ganz eigene Farbatmosphäre. Der Malprozess bleibt mithin als Geste und Intensität, als Überlagern und Vertiefen pulsierend vor Augen. In diesen vielfältigen Bildlandschaften formuliert sich der entscheidende Konflikt zwischen figürlicher Einbettung und abstrakter Auflösung. Das heißt, das Gegenständliche ist nicht selbstverständlich im Bildgrund verankert, sondern muss sich immer wieder neu im Mal- und Übermalvorgang behaupten. Zugleich wird darin das Entschwinden und Auftauchen thematisiert: Die Malerei von Sabine Herrmann lässt sich als vielschichtiger Erinnerungsvorgang begreifen, der den Betrachter quasi aktiv auf eigene sinnliche „Entdeckungsreisen“ schickt.

29.4.2017 bis 18.6.2017. Malerei

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