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MARIENVESPER
Werk von Claudio Monteverdi, SONDERKONZERT

Veröffentlicht im Jahr 1610, gehört die Marienvesper zu den Meisterwerken abendländischer Musik und hat auch 500 Jahre nach ihrer Entstehung nichts von ihrer einzigartigen Ausstrahlung verloren. Eher noch hat sie dazugewonnen: Lässt sie doch heutige Hörer einer weit entfernten, längst untergegangenen Welt begegnen. Empfindungen damaliger Menschen werden in dieser Musik Gegenwart und lassen spüren, was uns alle über Jahrhunderte und Kulturen hinweg eint. Monteverdi verband liturgische Musik seiner Gegenwart, mittelalterliche Choräle und die damals neuesten kompositorischen Entwicklungen in einem Werk, das nach seinen Worten für Aufführungen in der Kirche wie „an Fürstenhöfen“ gleichermaßen geeignet war. Solche Grenzüberschreitung war kühn und sensationell zu einer Zeit, in der leicht auf dem Scheiterhaufen landen konnte, wer von der offiziellen Kirchenlinie abwich. In der Marienvesper sind Koloraturen zu hören, mit denen Sänger in der um 1600 eben erst entstandenen Gattung Oper glänzten. Echo-Effekte erweitern das Hör- in ein Raumerlebnis. Die Mannigfaltigkeit der musikalischen Formen und Techniken ist überwältigend: Vokal- und Instrumentalstücke, alte und neue Kompositionsweisen, geistliche und weltliche Musik, Entrückung und pralles Leben, Lobgesang und Innigkeit, geistige Besinnung und musikalische Entsprechungen erotischer Sehnsucht. Eine vergleichbare Vielfalt an Formen, Ausdruckscharakteren, Besetzungswechseln, überraschenden Wendungen und Hörreizen findet sich in nur wenigen Werken liturgischer Musik.

© blattwerk e.V. 2005